Die Geschichte der Flora von Elmshorn

Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts faszinierte ein Wort jeden Mann zwischen Altona und Tondern, zwischen Kiel und Sylt: Grönland. Das "grüne Land" war das Ziel der großen Barken, die im nördlichen Eismeer auf Walfang und Robbenjagd gingen. Überall in Schleswig-Holstein träumten die jungen Männer von den Abenteuern im ewigen Eis. Und jedes Jahr heuerten mehr und mehr von ihnen auf den Walfängern aus Glückstadt, Flensburg oder Brunsbüttel an. Meer und Ferne lockten.

Auch in Elmshorn sprachen die Männer von Walen und Robben; von Eisbären und Walrossen. Im Jahre 1817 war es dann soweit. Fünfzehn Elmshorner Bürger kauften gemeinsam die Dreimastbark "Flora". Anfang April setzte die "Flora" Segel zu ihrer Jungfernfahrt. Stolz glitt sie über die Krückau ihrem unbekannten Ziel entgegen. Den ganzen Sommer über blieb sie auf See. Bei ihrer Rückkehr hatte sie tonnenweise Wal- und Robbenspeck an Bord. Daraus gewannen die Brennereien den kostbaren Tran.

Tran war damals begehrt und vielseitig verwendbar. Als Maschinenöl, zur Seifenherstellung, zum Gerben von Fellen, zur Beleuchtung von Haus und Stall. Und in einigen Städten gab es bereits Straßenlampen, die mit Tran gespeist wurden, diesem "edlen Fett, von Glanz wie Silber an der Sonne", wie es in einer alten Schrift heißt. Das gereinigte, gute Fett aber blieb Heilzwecken vorbehalten. Als "Lebertran" war es für die Eskimos wichtiges Nahrungsmittel. Auch in Europa wurde seine heilende Wirkung früh erkannt und vielseitig genutzt.

Über 50 Jahre fuhr die "Flora" Sommer für Sommer zu dem Land aus Eis und Schnee. Um das begehrte Fett zu erjagen. Über 50 Jahre lang war das Schiff ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor und ein wichtiger Teil des Lebens in Elmshorn. Gegen Ende ihrer Fahrenszeit wurden dann aber die Fangergebnisse der "Flora" immer geringer, die Verluste immer höher.

Im Jahre 1872 ging die "Flora" auf ihre letzte Fahrt. Danach lag sie als Gaststätte bei Steinwerder. Ihr Ende lässt noch einmal ihre alte Widerstandskraft ahnen: sie wurde gesprengt.

Und weil die "Flora" eine bedeutende Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt spielte, ist sie auch Teil des Stadtwappens geworden und seit 1970 Namensgeber der größten Elmshorner Apotheke. Im Schaufenster der Flora Apotheke in der Elmshorner Schulstraße ist übrigens ein Modell des berühmten Walfangschiffes im Maßstab 1: 50 zu bewundern.